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Über mich

Verschiedenes


Lieber Besucher, begrüßt habe ich Sie schon. Jetzt sollen Sie mich kennen lernen.

Meine Heimat ist Gurschdorf, eine ländliche Dorfgemeinde in Sudeten-Schlesien. Sie hatte vor dem Krieg knapp 2000 deutsche Einwohner und zwischen 1919 und 1938 einige tschechische Beamte aus Prag und Inner-Böhmen.


Ich bin 1935 geboren. Mein Vater war Steinmetz, was sich aus der regionalen Stein-Industrie ergab. Meine Mutter war ausschließlich für die Familie tätig. Gemeinsam bewirtschafteten sie nebenher einen kleinen, von den Eltern meines Vaters ererbten landwirtschaftlichen Betrieb.

So bin ich auf einem Bauernhof aufgewachsen, wo mir der Umgang mit lebenden und toten Tieren, mit Saat und Ernte, bei gutem und schlechtem Wetter vertrauter Alltag wurde. Schwere körperliche Arbeit war uns Kindern nicht fremd. Zupacken, damit es weitergeht - eine tägliche Erfahrung, die mich bis heute prägt.


Im Herbst 1945 musste ich als kleiner Junge das Sterben meines Vaters mit ansehen. Ein Jahr später vertrieben uns die Tschechen von Haus und Hof, welchen unsere Vorfahren seit Jahrhunderten aufgebaut hatten. So kamen wir, meine Mutter und ich allein - meine Schwester hatte durch einen Unfall ihr junges Leben verloren - mit 50 Kilo Gepäck nach Württemberg in die amerikanische Besatzungszone.


Hier konnte ich nach 20 Monaten "Zwangs-Schulferien" wieder am Unterricht teilnehmen, was ich allerdings nur ein halbes Jahr durchhielt. Aus Unwissenheit über die Bedeutung des Wortes „Stress“ setzte man drei Schüler meiner Klasse einer Aufnahmeprüfung in ein Gymnasium für Jungen aus, einer davon war ich.


Fortan saß ich dort in einem Raum mit 63 anderen Knaben und lauschte den Peinigern, die unsere Köpfe mit Wissen voll zu stopfen versuchten, was, wie üblich, nicht bei allen gelang. Unsere Klassenlehrerin, eine Kriegerwitwe mit vier Kindern, kannte den Begriff Randale so wenig wie wir Schüler. Weil uns niemand darüber aufklärte, verhielten wir uns ruhig, aber nicht verschlafen. Mich setzte man mit Helmut L., dem Bruder des späteren Chefs einer weltbekannten Maschinenfabrik, in die hinterste Bank. Dort durften nur „Wartungsfreie“ und jene drei der Klasse sitzen, die sich ab dem zweiten Schuljahr von der Bezahlung des Schulgeldes befreit hatten.

Nach drei Jahren stellte meine Mutter fest, dass sie mich bei Ihrem Einkommen nicht bis zum Abitur durchfüttern kann. Das bedeutete für mich, einen Beruf zu erlernen. Wäre zu jener Zeit der Begriff 'Auszubildender' für Lernlinge und andere Anfänger schon im Gebrauch gewesen, hätte ich mich mit weit ausgebreiteten Armen hingestellt und gefordert: „Hier bin ich! Bildet mich aus! Macht was aus mir!"

Da es aber diese Spezies damals noch nicht gab, musste ich mich notgedrungen um eine Stelle als Lehrling bewerben. Hier half die Berufsberatung beim Arbeitsamt, die hatte jedoch nur Lehrstellen als Maurer, Gipser, Metzger und ähnliche, sehr wichtige, ehrenwerte Berufe anzubieten. Was sollte ich dort mit meinen drei Jahren Gymnasium? Firma Bosch, zu der es mich zog, bot nur Kindern von Werksangehörigen eine Chance. Also wieder hin zum Herrn Berufsberater an seinen runden Besprechungstisch auf dem Flur. Zu meiner Endtäuschung hatte er immer noch keine anderen, als die schon angebotenen Berufe.

Wohl, um mich los zu werden, weil ich nicht locker ließ, fragte er mich provokativ: „Na Junge, weißt du wie groß der Umfang dieses Tisches ist?" „Pi mal D, ist doch klar! Und die Fläche ist ein Viertel von Pi mal D im Quadrat, falls Sie das auch wissen möchten", gab ich zur Antwort. Und oh Wunder, plötzlich fielen ihm ein halbes Dutzend Firmen ein, die einen Lehrling als Werkzeugmacher oder Mechaniker suchten.

So nahm ich Abschied von den Freunden im Gymnasium und dem Platz in der hintersten Bank und trat eine Lehre in einer sehr kleinen Firma an. Dort lernte ich nicht etwa das Feilen von Würfeln, sondern das Improvisieren in vielen Bereichen. Schon am zweiten Tag dieses praxisnahen Lebensabschnittes warf man mich ins eiskalte Wasser der Wirklichkeit. Heftig rudernd erreichte ich nach dreieinhalb Jahren das rettende Ufer, wo man mir dafür den Gesellenbrief als Mechaniker umhängte.

Meine als Lehrling gewonnenen Erfahrungen haben mir bisher in allen Lebenslagen sehr geholfen und ich bin heute noch jeden Tag dankbar dafür. Nun konnte ich als Facharbeiter gutes Geld verdienen, aber das allein genügte mir noch nicht.

Die Tatsache, dass ich den Umfang und die Fläche eines runden Tisches ausrechnen konnte, ermutigte mich, in dieser Richtung weiter zu machen. So durfte ich zwei Jahre später, nach bestandener Aufnahmeprüfung, mit 39 anderen Mutigen auf einem harten Stuhl der Technischen Oberschule in Stuttgart Platz nehmen. Zwei weitere Jahre später legte ich mit den verbliebenen 18 Kameraden die Abiturprüfung ab.

Jetzt besaß ich den Schlüssel zum Studium an der Universität Stuttgart, die damals noch den wohlklingenden, charakteristischen Namen 'Technische Hochschule' trug.

Um mich endgültig los zu werden, ernannte Seine Magnifizenz, der Rektor, nach zehn Semestern den vaterlos aufgewachsenen ehemaligen Bauernbuben aus Gurschdorf zum Diplom-Ingenieur des Maschinenbaues.




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