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Steingrund

Sudetenland > Sudeten-Schlesien

Q: Heimatbuch von Gurschdorf S. 241+242



Steingrund (1836) nach Faustin Ens

Steingrund liegt 3/4 Meilen westlich von Friedeberg, von allen Amtsorten am höchsten gelegen, hat 38 hölzerne Häuser mit 281 armen, aber tätigen Einwohnern. Sie gehören zur Gurschdorfer Seelsorge, haben aber eine Notschule in einem Privathaus. Der Lehrer erhält von der Gemeinde Wohnung und Holz und von den Schulkindern Lehrgeld. Hier ist ein Schankhaus mit Bäckereigerechtigkeit, eine Mehlmühle und eine Pottaschhütte. 45 Kühe.

So weit Faustin Ens

Zum Ende des Krieges 1945 standen noch 47 gemauerte Gebäude mit Hausnummern. Dazu kamen landwirtschaftliche - und Nebengebäude. Die Einwohnerzahl lag bei etwa 230 Personen.

Tschechisches Militär sprengte um 1960 die Gebäude des Ortes Steingrund. Aufgeforstet hat man das Gelände zunächst nicht oder nur wenig. Angeblich sollte an geeigneter Stelle eine militärisch-strategische Anlage errichtet werden. Zur Überwachung brauchte man Sichtkontrolle im offenen Gelände.


An den bereichsweise steilen Hängen war die landwirtschaftliche Arbeit mühsam und schwer. Angebaut wurden Kartoffeln, Roggen, Gerste, Hafer, jedoch kein Weizen, weil der im rauhen Klima dieser Höhe kaum gedieh, im tiefer liegenden Gurschdorf dagegen schon. Auch für Kernobst war die Höhe zu ungünstig, die Bäume fielen dem alljährlichen Frost zum Opfer.



Steingrund wurde um 1690 erstmals urkundlich erwähnt

Verschwundene Dörfer

Tschechen und Slowaken besetzten durch die Wirkung der Benesch-Dekrete schon ab Mai 1945 größere Dörfer und Kleinstädte. Sie ließen sich zunächst nur auf großen Bauernhöfen und in großen Stadthäusern nieder. In diesen Wohnhäusern hielten die neuen Bewohner die Dächer dicht, wenn es notwendig war. Massenweise eingeschlagene Fensterscheiben verschlossen sie notdürftig und hielten so die Häuser einigermaßen wetterfest.

Kleine Ortschaften, vor allem Gebirgsdörfer verfielen nach der Vertreibung ihrer Bewohner schnell. Alle verlassenen Häuser wurden geplündert, Türen aufgebrochen, Fenster eingeschlagen. Regen, Schnee und Wind förderte den raschen Verfall. Schließlich nahm sich das Militär die Gebäude zu Sprengübungen vor und verwische damit gezielt die Spuren Jahrhunderte alter Besiedelung.

An vielen Stellen hat die Natur schon lange ihren gnädigen Schleier über einen barbarischen Akt menschlicher Niedertracht gedeckt.

Steingrund ist nur einer der ca. 280 von den Tschechen geschleiften Dörfer in Sudeten-Schlesien nach 1945.

Steingrund um 1918

Jedes Kreuz (+) steht für ein verschwundenes Dorf.

Wie es in Steingrund heute aussieht, erfahren Sie mit einem Klick auf mehr...

Vom hinteren Steingrund (ca. 800 m NN) sieht man in der Ferne den alten und neuen Stausee von Ottmachau in Schlesien und die Stadt Neisse. Die beiden Seen speist das Wasser der Glatzer Neisse, die in die Oder mündet. Sie war in Potsdam als Grenze zu Polen vorgesehen, bis Stalin mit dem Finger auf der Landkarte auf die 150 Kilometer weiter westlich verlaufende Görlitzer Neisse zeigte und die ahnungslosen, gleichgültigen westlichen Konferenzteilnehmer plump übertölpelte.

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