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Jauernig

Sudetenland > Sudeten-Schlesien

Q: Heimatbuch2 von Jauernig S. 119

Jauernig (Javornik), Bez. Freiwaldau. 298 m.

Die Stadt entstand im nordwestlichen Zipfel Österreichisch-Schlesiens; sie liegt an einem rechten Seitenbach der Glatzer Neiße. Die Besiedlung erfolgte an einer wichtigen Handelsstraße, und zwar durch die Breslauer Bischöfe mindestens im 13. Jh. Die Friedhofskirche im Dorf Jauernig gehört stilgeschichtlich in die Zeit zwischen 1150 und 1250. Eine Burg bestand bereits seit der Gründung. Die Hussiten verwüsteten 1428 Stadt und Burg, die seit 1348 Besitz der Breslauer Oberhirten waren. Im Jahre 1549 erfolgte die Verleihung des Stadtrechts von Neiße. Das Stadtwappen stellt nach Untersuchungen von Dr. R. Fitz eine silberne Pfeilspitze, darüber einen sechsstrahligen Stern dar.

Über der Stadt erhebt sich Schloß Johannesberg (339 m) an Stelle der Burg aus dem 13. Jh., die bis ins 15. Jh. bestand und von Bischof Johannes
Thurzo 1505-1509 wieder aufgebaut wurde. Von diesem erhielt das Schloß, seitdem Sommerresidenz der Breslauer Bischöfe, seinen Namen. In der 2. Hälfe des 18. Jh.s wirkte hier der Komponist Karl Ditters von Dittersdorf als Kapellmeister und Leiter des Hoftheaters; das Schloß wurde durch ihn zur „Wiege der deutschen Oper“.

Im Schloß wurde ein Naturwissenschaftliches Museum untergebracht, nach 1967 auch niederländische Land
schaftsgemälde, die in den Räumen ausgestellt werden. Wiederholt kam Joseph von Eichendorff auf das Schloß, auch der schlesische Dichter Karl von Holtei. In seinen Mauern starben mehrere Bischöfe, am 6. Juli 1945 Adolf Kardinal Bertram. 46 Jahre nach seinem Tod ist dieser letzte deutsche Erzbischof Schlesiens am 9. November 1991 nach Überführung im Breslauer Dom beigesetzt worden.

Dreifaltigkeitskirche (1718
-1723), durch Fürstbischof Heinrich Förster, der während des Kulturkampfes seit 1875 sein Bistum von Johannesberg aus leitete, renoviert; in der Gruft ist seit November 1991 nur noch Fürstbischof Hohenlohe bestattet.

Die Friedhofskirche Hl. Kreuz gehört dem romanisch-gotischen Übergangsstil an. Das Rathaus, Renaissancebau des 16. Jh
.s, erhielt 1832 Empireformen. Das Stadtmuseumenthielt auch eine vorgeschichtliche Sammlung.Am Dittersdorf-Haus erinnert eine Gedenktafelan den Komponisten.

Wirtschaft
: Textilindustrie, landwirtschaftliche Maschinen, Holz-, Papierund Maschinenindustrie. Mineralbad. Sommerfrische, Wintersportort.

Persönlichkeiten: Joseph Christian von Zedlitz (1790-1863), Dichter und Diplomat; Johann Nep. Rust (1775 -1840), Medizinprofessor, Herausgeber eines 17bändigen Handbuchs der Chirurgie, Begründer des Medizinalwesens in Preußen; Anton Peter (1831 -1898), Historiker, Konservator für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale, Schulrat; Wilhelm Tinter (1839 -1912), Professor der Geodäsie an der TH Wien, Mitglied der ständigen Kommission der internationalen Erdmessung und der europäischen Gradmessung; Hans Leder (1843 -1921), Naturwissenschaftler, Forschungsreisender; Emil Rochowanski (18451908), Abgeordneter, Bürgermeister der Stadt Troppau; Emil Sax (1854-1927), Universitätsprofessor der Nationalökonomie; Rudof Rittner (1869-1943, geb. in Weißbach), Schauspieler. Bahnbrecher für die Dramen Gerhart Hauptmanns. Dramatiker; Hedwig Teichmann (1875 – 1949, geb. in Buchbergstal), Dichterin; Anton Kiesewetter (1888 -1961), Oberdirektor der Kreditanstalt der Deutschen in Prag-Reichenberg, der Entscheidendes beim Aufbau der sudetendeutschen Wirtschaft leistete; Josef Schneider (1911 -1969), Gymnasiallehrer, Dichter und Herausgeber; Jauerniger waren auch die drei Brüder Robert, Adolf und Albert Theer, die in Wien als Maler zu hohem Ansehen gelangten.
1930 (mit Dorf Jauernig): 3067 Einw. (2834 Deutsche, 113 Ausländer, 111 Tschechen). Stadt Jauernig: 1928 Einw. (1763 Deutsche, 82 Ausländer, 74 Tschechen). Dorf Jauernig: 1139 Einw. (1071 Deutsche, 37 Tschechen, 31 Ausländer). 1961: 2600 Einw.
Im Jahre 1955 übernahm die Stadt Vaihingen/Enz über Stadt und Gerichtsbezirk Jauernig die Patenschaft. In Vaihingen/Enz wurde eine Heimatstube eingerichtet. LL Heute zieht die Schloßgalerie viele kunstinteressierte Besucher an. Exponate sind spätgotische Gemälde, italienische und niederländische Meister, 16. und 17 Jh., ferner Biedermeiermöbel. Umgebung: Ruine Reichenstein, 464 m, Höllenberg, 673 m, Hoher Heidelberg, 902 m, mit Aussichtsturm und Schutzhaus, Hoher Stein, 698 m, (Gneisfelsen) und Jauersberg, 870 m.


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